Mehr als 300 Unternehmen der deutschen Getränkewirtschaft haben sich in einem gemeinsamen Offenen Brief gegen die Einführung einer Zuckersteuer auf Getränke ausgesprochen, darunter viele mittelständische und familiengeführte Betriebe aus ganz Deutschland. Die dortige Position teilen auch die Mitglieder unseres Verbandes
Im Mittelpunkt des Schreibens steht die Sorge um die wirtschaftliche Situation der Branche. Viele Brauereien und Getränkehersteller leiden bereits erheblich unter gestiegenen Kosten für Energie, Verpackungen, Rohstoffe, Logistik und Personal. Zusätzlich verschärft die Konsumzurückhaltung der Verbraucher und die schwierige Lage in der Gastronomie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Eine Zuckersteuer, die auf bislang nicht einmal definierte Getränke erhoben werden soll, erscheint völlig willkürlich, dient offensichtlich dem Stopfen von Haushaltslöchern, verursacht weitere finanzielle und administrative Belastungen und wird insbesondere mittelständische Betriebe treffen, die bei sinkenden Bierkonsum schon länger auf Biermischgetränke und Erfrischungsgetränke gesetzt haben.
Höhere Preise werden vor allem einkommensschwache Haushalte belasten. Die Steuer führt zu zusätzlichen Kosten für Konsumenten, ohne dass deren gesundheitlicher Nutzen eindeutig belegt ist.
Die wissenschaftliche Grundlage einer Zuckersteuer erscheint zweifelhaft. Viele Studien zur Wirksamkeit entsprechender Abgaben basieren auf Modellrechnungen. Die Erfahrungen aus Großbritannien zeigen, dass die Zuckersteuer den Zuckergehalt von Erfrischungsgetränken reduziert hat und die Zuckeraufnahme durch Getränke bei der Bevölkerung verkleinert wurde. Tatsächlich ist der Zuckerkonsum aus Süßgetränken bei Kindern um 23,5 Prozent und bei Erwachsenen um 40,4 Prozent zurückgegangen, so eine Studie des unabhängigen, wissenschaftlichen und vorsorgemedizinischen Special Institute for Preventive Cardiology and Nutrition, kurz SIPCAN. Die Briten trinken demnach weniger stark zuckerhaltige Getränke, aber mehr süßstoffhaltige Getränke und insgesamt mehr Erfrischungsgetränke. Entgegen der weitläufigen Annahme zur Effektivität von Zuckersteuern führt dies aber nicht zu Gewichtsreduzierung, so die Untersuchung. Bei Erwachsenen etwa sei der Anteil von Übergewicht und Adipositas in der Bevölkerung von 60,8 Prozent im Jahr 2015 auf 61,4 Prozent im Jahr 2022 gestiegen. Bei Zehn- bis Elfjährigen lag der Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder bei 36,6 Prozent. Nach zuvor 33,2 Prozent.
Getränkehersteller haben sich in Deutschland bislang um Zuckerreduktion bemüht, so wurde der Zuckergehalt marktrelevanter Erfrischungsgetränke seit 2018 um rund 15 Prozent gesenkt. Dies wurde durch freiwillige Selbstverpflichtungen, Produktänderungen und Innovationen erreicht. Eine Zuckersteuer greift daher zu kurz, um die komplexen Ursachen von Übergewicht und ernährungsbedingten Erkrankungen in der Bevölkerung zu lösen.
Man muss die Planung einer Zuckersteuer als Symbolpolitik, beinahe willkürliche Belastung von Getränkeherstellern und Einnahmeverbesserung für den Staatshaushalt sehen, da dieses Thema bei den Koalitionsverhandlungen seinerzeit abgeräumt wurde.
Der Offene Brief ist ein deutliches Signal: Die Getränkewirtschaft, inklusive der Brauwirtschaft, positioniert sich geschlossen gegen eine Zuckersteuer und fordert von der Politik Berechenbarkeit, Verlässlichkeit, Planungssicherheit und hat den Anspruch, dass die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit mittelständischer Betriebe stärker berücksichtigt wird, statt weitere Steuern zu kreieren.
Anhang (Offener Brief)
